Meine Geschichte zum Album
Im Büro höre ich viel Musik. Digital. Streaming. Am Anfang Amazon Musik. Dann hat Amazon sein Primeangebot zusammengestrichen und viel Unfug mit den Prime-Zugaben angestellt, dass ich zu Apple Musik gewechselt bin. Ich bin kein Charthörer. Mich interessiert Miley Swift, oder wie die quietschenden Hupfdohlen heißen, überhaupt nicht. Ich mag lieber abseits des Mainstream wildern und habe im Laufe der Jahre viel Interessantes gefunden.
Ein Fundstück ist die Band Cigarettes After Sex. Wikipedia verortet sie im Dream Pop. Was auch immer mit Dream Pop gemeint ist, bei Cigarettes After Sex geht es ziemlich ruhig zu. Diese Ruhe hat Potential anzustecken. Genauso viel ist Potential vorhanden, die Lautsprecher bei der Büroarbeit auszuschalten, weil das monotone Dahingegleite einfach nur nervt. Just in dem Moment stellt sich die Frage, ob Greg Gonzalez Mann oder Boy ist und gar nicht aus sich raus möchte? Ich suche etwas Vergleichbares und werde nicht fündig. Mein musikalischer Horizont ist mit 1000 Alben in Vinyl verdammt klein. Deshalb folge ich Gonzales Lieblingssängerin Françoise Hardy und siehe da: Er ist der kleine Bruder, das musikalische Träumerle der französischen Sängerin.
Von den drei Cigarettes After Sex-Langspielern entscheide ich mich für Cry, dem zweiten Album der Band. Es ist temporeicher als das aktuelle X’s Album und nicht ganz so vielfältig wie das Debütalbum Cigarettes After Sex. Cigarettes After Sex ist eine Band, die über soziale Medien ihre Zuhörerschaft und damit einen gewissen Erfolg gefunden hat. Eine schöne Erfolgsgeschichte.
Kurzrezension
Cry von Cigarettes After Sex ist ein melancholisches, ästhetisch durchkomponiertes Album, das auf der einen Seite mit träumerischem Ambient-Pop und emotionaler Intimität überzeugt, auf der anderen Seite aber auch mit Wiederholungen und klischeehaften Texten kämpft. Cry bleibt dem Stil der sphärisch-hypnotischen Klanglandschaft des Debütalbums treu. Greg Gonzalez Gesang ist emotional unaufgeregt, intim und trotzdem distanziert kühl. Cry ist geeignet für stille Momente und gebrochene Herzen, ästhetisch makellos, aber emotional nicht immer greifbar. Wer sich in melancholischer Stimmung verlieren will, findet hier das nahezu perfekte Album. Für etwas mehr Tiefgang sei das Debütalbum empfohlen.