Foreigner – Double Vision – Then And Now – Live Reloaded

Meine Geschichte zum Album
Ich mag Livemitschnitte. Bands, die auf ihren Studioalben teilweise gelangweilt daher kommen, blühen auf der Bühne auf und vermitteln für den Hörer das Gefühl, wirklich dabei zu sein. In dem Zusammenhang ist Gary Numan ein Leuchtturm für mich. Seine Livequalitäten sind Extraklasse und geben dem Original auf dem Studioalbum eine emotionale Note.

Das Livealbum Double Vision – Then And Now – Live Reloaded von Foreigner ist dagegen ein schimmernd-leuchtendes Negativbeispiel. Zugegeben, Foreigner existiert für mich nur in der Ausgabe mit Lou Gramm, aber selbst in dieser Kombination war ich nie Überzeugungshörer. Ich mag halt in Liedern kein Geschrei um jeden Preis. Was mich bei diesem Doppelalbum zum Grausen bringt, ist deshalb auch nicht der Lou Gramm-Ersatz. Es ist vielmehr die dumme Angewohnheit, Livealben durch Pausen beim Titelwechsel einer Zwangssterilisation zu unterziehen. Solche Stimmungskiller sind der Coitus Interruptus der Livemusik und gehören als Warnhinweis auf das Plattencover.

Die Worte meiner Geschichte zum Album klingen wieder hart und ungerechnet. Ich finde nicht, denn es geht noch schlimmer: Jethro Tull und Living With The Past von 2022. Hier wurde beinahe alles eliminiert, was nach Stimmung und gute Laune klingt. Dagegen ist Double Vision – Then And Now – Live Reloaded ein Waisenknabe, trotz der zu verdammenden Pausen. Da mir das Differenzieren zwischen Lou Gramm und seinem Ersatzmann schwer fällt, kommen insgesamt meine Nostalgiegefühle etwas schaumgebremst daher.

Kurzrezension
Double Vision – Then And Now – Live Reloaded ist ein mitreißendes Livealbum, das Foreigner in zwei Ausgaben präsentiert. Die Originalbesetzung und die aktuelle Formation treten gemeinsam auf und liefern ein einzigartiges Konzert voller Klassiker ab. Besonders emotional ist das Finale, denn bei Hot Blooded stehen die Generationen Damals und Heute gemeinsam auf der Bühne, was sicherlich ein sogenannter Gänsehautmoment für Fans beider Generationen ist. Der besondere Moment des Livekonzerts ist für gefühlsbetonte Menschen sicherlich spürbar. Leider sind die Übergänge zwischen den Songs teils abrupt, was den Konzertgenuß einfach stört. Das Album ist ein Muss für Fans von Foreigner und Liebhaber des Rocks der 70er-/80er-Jahre.

Elbow – build a rocket boys!

Meine Geschichte zum Album
Eine Kultursendung in den Öffentlichrechtlichen, ich meine das Kulturmagazin, stellt am Ende der Sendung Neuerscheinungen aus der Musikwelt vor. Genau hier begegnet mir vor Jahren Elbow, konkret der Titel The Birds. Ich war sofort angetan und legte mir das Album in digitaler Form zu. Die ersten beiden Titel, The Birds und Lippy Kids, sind ein selten schöner Einstieg in ein Album, der in With Love seine Fortsetzung sucht. Jesus Is a Rochdale Girl setzt für mich einen weiteren Akzent in einem überwiegend ruhigen musikalischen Kunstwerk, dass ich für das beste Elbow-Studioalbum halte.

Nach dem Erstkontakt nehme ich die Band bewußt wahr und mir springen vor allem die Live-Qualitäten der Truppe ins Ohr. So ist meine erste Elbow-Scheibe Live at the Ritz – An Acoustic Performance. Es folgt weiteres Vinyl von Elbow, so auch build a rocket boys!. Zugegeben, ich kann Elbow nicht jeden Tag und zu jeder Tageszeit hören. Es bedarf der Stimmung nach einer besonderen Form der inneren Ruhe für mich.

Kurzrezension
Mit build a rocket boys! gelingt Elbow ein in sich gekehrtes und atmosphärisch dichtes Album, das sich der Erinnerung, Jugend und Gemeinschaft annimmt. Die Band bleibt ihrem bisherigen Stil treu, entwickelt ihn mit orchestralen Arrangements, subtilen elektronischen Elementen und dem Fokus auf emotionale Tiefe weiter. The Birds ist eine vielschichtige Eröffnung, während Lippy Kids mit seiner sakralen Ruhe berührt. Songs wie Neat Little Rows und Open Arms vermitteln rhythmische Energie und hymnische Wärme, während Stücke wie Jesus Is A Rochdale Girl und The Night Will Always Win viel Raum für Guy Garveys markante Stimme lassen. Das Album braucht Zeit, um sich zu entfalten. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer poetischen Reise belohnt, die Elbow als eine Band zeigt, die weiß, wo sie steht.

New Radicals – Maybe You’ve Been Brainwashed Too

Meine Geschichte zum Album
Wohl eines der am meisten verkannten Musikalben, die mir in meiner Musikhörerkarriere untergekommen sind, ist Maybe You’ve Been Brainwashed Too von New Radicals. Mag die Singleauskopplung You Get What You Give nicht zu 100% der Popsong schlechthin zu sein, so ist das Album in seiner Gesamtheit unschlagbar. Es kommt keine Sekunde Langeweile auf oder es wird nicht einmal versucht, You Get What You Give in einem weiteren Lied zu kopieren. Ein gutes Album muss nicht aus einer Titelfolge bestehen, bei der der Körper die ganze Zeit am Zappeln ist. Das Album gehört zu meinen TOP 100-Favoriten.

Wie ich zu Maybe You’ve Been Brainwashed Too kam, kann ich nicht mehr sagen. Es war auf alle Fälle der Titel You Get What You Give, soviel ist sicher. Und hätte ich den Titel aktuell nicht in einer neuen Interpretation in einem TV-Spot von Persil gehört, wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, das Album auf Vinyl zu suchen. Es erschien ursprünglich kurz vor der Jahrtausendwende und ich hatte wenig Hoffnung, dass es außer digital oder auf CD in Vinyl gepresst wurde. Mein Haus- und Hoflieferant für Neuware JPC hatte es sofort lieferbar und ich mußte es käuflich erwerben.

New Radicals, das ist/sind Gregg Alexander und laut Wikipedia auch Danielle Brisebois. Das sagt mir zumindest erst einmal nichts. Lese ich im Zusammenhang mit Gregg Alexander jedoch Inner Smile von Texas, Life is a Rollercoaster von Ronan Keating oder Murder on the Dancefloor von Sophie Ellie Bextor, dann haben die genannten Titel eine gewisse musikalische Nähe zu den New Radicals. Immerhin ist Gregg Alexander als Autor und/oder Produzent zumindest mitbeteiligt. Ich muss gestehen, bei Inner Smile innerlich völlig abzugehen. Den Song halte ich für den besten Texastitel, auch wenn er sehr New Radicals-Style ist.

Kurzrezension

Maybe You’ve Been Brainwashed Too von New Radicals ist ein Pop-Rock-Album, das 1998 erschien und bis heute als unterschätztes Juwel gilt. Obwohl es das einzige Album der Band ist, hinterließ es mit dem Hit You Get What You Give einen bleibenden Eindruck. Das Album war im Grunde ein Solowerk von Gregg Alexander, der fast alle Songs schrieb, produzierte und selbst performte. Unterstützt wurde er unter anderem von Danielle Brisebois, deren Backgroundgesang dem Album zusätzliche Tiefe verleiht. Es kombiniert radiotauglichen Mainstream mit britisch beeinflusster Pop- und Rockästhetik und erinnert an Künstler wie Oasis, R.E.M. und sogar Prince. Alexander verarbeitet gesellschaftskritische Themen mit einer Mischung aus Sarkasmus und Romantik. Besonders der Titeltrack zeigt seine kritische Haltung gegenüber Konsum und Medien. Maybe You’ve Been Brainwashed Too ist voller Energie, Emotion und cleverer Texte. Es ist ein musikalisches Statement gegen Oberflächlichkeit und für Authentizität. Wer über den One-Hit-Wonder-Status hinausblickt, entdeckt ein Werk mit überraschender Tiefe und Vielfalt.