Meine Geschichte zum Album
Mit dem Wiederaufflammen der Begeisterung für Musik auf Vinyl werden auch alte Scheiben neu aufgelegt. Das freut mich aus zweierlei Sicht: Manch alte Scheibe wird zu unanständigen Preisen auf dem Zweite Hand-Markt teuer vertickt und meist legen die Label bei Neupressungen eine zweite oder dritte Schallplatte mit zusätzlichem Inhalt bei. Irgendetwas muss ja den höheren Kaufpreis rechtfertigen. Dass die Neuauflage auch ein gelungener Griff in die Kloschüssel sein kann, zeigt mir das Live-Album Paris von Supertramp.
Es fällt mir schwer mit 100%iger Sicherheit zu sagen, wann und wo ich das Supertramp Livealbum Paris zuerst gehört habe. Ich meine, es muss zu Zeiten meiner Lehre ab 1980 gewesen sein. In der Lehrlingsklasse war ein großer Supertramp-Fan und ich hatte mir die Doppel-LP aus dem Westen ausleihen dürfen. Supertramp kannte ich nur aus dem Westradio und AMIGA brachte erst 1984 Breakfast in America in die Regale. Da war die Ära Roger Hodgson bei Supertramp bereits Geschichte. Ich war und bin eher ein Freund seiner poplastigen Lieder. Sei es drum, auf alle Fälle hat mich das Livealbum schwer beeindruckt und ich würde es noch heute zu meinen Favoriten zählen wollen. Es ist eine exzellente Mischung aus dem bis dahin veröffentlichten Schaffen von Supertramp.
Irgendwann hatte ich der Perle von dem Album erzählt und sie hat es über recordsale beschafft. Anfang 2025 tauchte eine Neupressung unter dem Titel Live in Paris 1979 auf. Aus dem Doppelalbum mit 16 Liedern ist ein Dreifachalbum mit 22 Titeln geworden. Grundlage sind auch hier vier Konzerte der Band Ende November/Anfang Dezember 1979 ist Paris. Zunächst habe ich das Mehr an Titeln nicht für vollgenommen. Es ist bei Neuauflagen nicht ungewöhnlich, dass ein Langspieler in eine Doppel-LP zerpflückt wird.
Gleichzeitig muss Live in Paris 1979 soundtechnisch überarbeitet worden sein, leider nicht zum Vorteil. Positiv geäußert trifft es verschlimmbessert wohl am ehesten. Ich hatte mich schon gewundert, dass sich eine Rezension zu Live in Paris 1979 über die Sangesqualitäten der Band negativ geäußert hat. Nach dem Hören von Live in Paris 1979 habe ich den verbalen Einwurf verstanden und finde ihn berechtigt. Irgendwie trübt Live in Paris 1979 meine Euphorie für das ursprüngliche Paris-Livealbum. Es ist ein Gefühl, dass ich nicht näher beschreiben kann. Kurz kam mir der Gedanke eines Jungenchor im Stimmbruch in den Sinn. Nicht immer ist es zielführend, nach Jahrzehnten des Daseins die neuste Technologie als Restauration getarnt auf ein bis dato Meisterwerk zu hetzen.
Während dieser Beitrag auf seine Veröffentlichung wartet, erfahre ich, das Rick Davies am 06. September 2025 verstorben ist.
Kurzrezension
Paris ist ein Livealbum, das Supertramp auf dem Höhepunkt ihrer Karriere einspielt. Aufgenommen im November 1979 im Pariser Pavillon de Paris, fängt es die Energie und Präzision der Band nach dem Erfolg des Albums Breakfast in America eindrucksvoll ein. Highlights wie School, The Logical Song und Dreamer zeigen die perfekte Balance zwischen Roger Hodgsons melodischem Gespür und Rick Davies’ jazziger Erdigkeit. Die Produktion ist für ein Live-Album erstaunlich klar, und die Arrangements bleiben nah an den Studiofassungen, ohne an Intensität zu verlieren. Paris ist kein wildes Live-Feuerwerk, sondern ein sorgfältig inszeniertes Konzertdokument, das elegant und detailverliebt ein Muss für Fans des klassischen Supertramp-Sounds ist.